de | fr | it
 Home  Suchen  Sitemap  Login





Klick vergrössern





Klick vergrössern



Klick vergrössern





Klick vergrössern


Wie die SBB die Pünktlichkeitskontrollen bei der Zürcher S-Bahn unterlaufen

Lokführer werden gewarnt
Wie die SBB die Pünktlichkeitskontrollen bei der Zürcher S-Bahn unterlaufen
Lokführer und Angestellte der SBB wissen im Voraus, wo im Netz der S-Bahn Zürich die Pünktlichkeit gemessen wird. Die SBB wollen so eine erneute Malus-Zahlung vermeiden. Im letzten Betriebsjahr zahlten die SBB aufgrund einer neuen Vereinbarung mit dem ZVV 1,75 Millionen Franken Strafe.


Lokführer und Angestellte der SBB wissen im Voraus, wo im Netz der S-Bahn Zürich die Pünktlichkeit gemessen wird. Die SBB wollen so eine erneute Malus-Zahlung vermeiden.

Stefan Bühler
Nachdem die SBB wegen ungenügender Pünktlichkeit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) für das Jahr 2006 eine Strafgebühr von 1,75 Millionen Franken zahlen mussten, unternehmen sie nun alles, um den Malus heuer zu vermeiden: So haben in diesen Tagen alle Lokomotivführer und die Mitarbeiter der Betriebsleitzentrale der S-Bahn Zürich einen Notizzettel in Visitenkartengrösse erhalten, auf dem detailliert vermerkt ist, wann und wo die Pünktlichkeit der Züge kontrolliert wird.

Informationen auf einem Kärtchen
Dem Kärtchen lässt sich entnehmen, dass in den Morgenstunden «zwischen 6.30 Uhr und 8.29 Uhr» Verspätungen nur im Hauptbahnhof Zürich registriert werden. Abends, von 16.30 Uhr bis 18.59 Uhr, sind die Kontrollstellen vielfältiger: So sollten zum Beispiel Züge der S 5 in Oberglatt und Wetzikon nicht verspätet eintreffen. Züge der S 6 werden in Regensdorf und Meilen auf Pünktlichkeit kontrolliert. Die Bahnangestellten werden mit dem Zettelchen daran erinnert, dass nur Züge «mit weniger als 5 Minuten 59 Sekunden Verspätung» als pünktlich gelten und täglich «durchschnittlich pro S-Bahn ein Zug verspätet» sein dürfe. In fetter Schrift heisst es zuletzt: «Max. Bonus-/Malus: 1,2 Millionen Franken!» Die Lokführer sind gewarnt.

Dass mit der vorzeitigen Bekanntgabe der Kontrollpunkte die Statistik über die Pünktlichkeit aufpoliert werden solle, bestreiten die SBB: «Es geht nicht um eine Verfälschung der Daten», sagt Werner Schurter, Co-Leiter der Task-Force S-Bahn Zürich. Vielmehr stehe die Transparenz im Zentrum: «Wir wollen nicht mit unseren Leuten Verstecken spielen. Diese Transparenz ist im Interesse unserer Fahrgäste.»

Die Mitarbeiter in den Zügen und der Betriebsleitzentrale sollten mit der Kampagne angespornt werden, die gesteckten Ziele zu erreichen. Schurter ist «überzeugt, dass auch der Zürcher Verkehrsverbund nicht will, dass wir den Malus zahlen müssen, sondern dass wir pünktlich sind».

Zurückhaltung beim ZVV
Beim ZVV findet man es «richtig, dass die SBB ihre Leute sensibilisieren», wie Sprecherin Beatrice Henes sagt. Dass vorab in den Stosszeiten kontrolliert werde, «wenn am meisten Passagiere unterwegs sind», sei den SBB-Angestellten im Übrigen schon länger bekannt. «Wir schauen aber schon, dass die Messresultate nicht verfälscht sind», versichert Henes.

Bei den Lokführern werfen die Informationen indes Fragen auf. Die Möglichkeiten, vom Führerstand aus Verspätungen zu vermeiden, seien klein, sagt Hubert Giger, Präsident des Verbands Schweizer Lokomotivführer (VSLF). Allenfalls könne man «etwas schneller anfahren und auch mit grösserer Geschwindigkeit in die Bahnhöfe einfahren», meint er. Das bringe aber «keinen markanten Zeitgewinn».
Erfolgversprechender sei die «Zwangsverriegelung»: Sobald der Lokführer diese bedient, schliessen sich die Türen und lassen sich von aussen nicht mehr öffnen – es sei denn, jemand werde eingeklemmt. Laut Dienstanweisung müsste der Lokführer die Zwangsverriegelung spätestens nach 50 Sekunden bedienen. «Gerade in Stadelhofen dauert es aber im Stossverkehr oft über eine Minute, bis alle Leute aus- und eingestiegen sind», sagt Giger, der selbst im Netz der S-Bahn fährt. Man müsste also in Kauf nehmen, dass Passagiere am Bahnhof stehen bleiben.
Schurter räumt ein, dass es für die Lokführer «ein Spagat» sei zwischen dem pünktlichen Betrieb und Fahrgästen, die noch einsteigen wollten.

Dieser Spagat gelinge aber nicht schlecht: In diesem Jahr habe man die Vorgaben des ZVV zur Pünktlichkeit einhalten können. Schon im Juni hatte auch ZVV-Sprecherin Henes der «NZZ am Sonntag» gesagt, die SBB seien «für den Bonus sehr gut im Rennen». Allerdings nicht, weil die Züge viel pünktlicher wären, sondern weil die Kriterien zwischen SBB und ZVV «angepasst» worden seien (NZZaS vom 24. 6. 07).



Pressecommunique des Verbands Schweizer Lokomotivführer und Anwärter VSLF
12. Juli 2007

Der Verband Schweizer Lokomotivführer und Anwärter VSLF unterstützt die Bestrebungen der SBB für einen sicheren Bahnbetrieb.

Die Kontrolle der Alkohol und Drogenfreiheit von Lokführern ist, solange sie der Sicherheit des Bahnbetriebs dient, richtig.

Der VSLF fordert dieselben konsequenten Sicherheitsanforderungen der SBB auch im Bezug auf körperliche Einschränkungen während der Arbeit der Lokführer wie Müdigkeit (Schlafprobleme im Schichtdienst), Erschöpfungszustände, Konzentrationsschwierigkeiten, körperliche Beschwerden (Ernährung im Schichtdienst).
Zudem ist der Schichtdienst den gesundheitlichen Bedürfnissen anzupassen.

Das Unwohlsein und die nicht 100% ige Einsatzfähigkeit der Lokführer wird von den Bahnen oftmals sanktioniert, was unabsehbare Folgen auf die Sicherheit des Eisenbahnbetriebs hat und das Lokpersonal unter mentalen Druck setzt.

Verband Schweizer Lokomotivführer und Anwärter VSLF
Hubert Giger, Präsident VSLF

Tel.: +41 44 / 431 99 16
Natel: +41 51 / 281 26 96
praesident(at)vslf.com
www.vslf.com






Klick vergrössern





Klick vergrössern





Klick vergrössern


© 2018 Verband Schweizer Lokomotivführer und Anwärter  Rechtliches  Privacy