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SBB P: Erneute Anpassung der Gestes métier

Seit der Einführung der Geste métier im Jahre 2007, welche eine vermeintlich neue Arbeitsphilosophie für das Lokpersonal mit standartisierten Arbeitsprozessen vorgibt, wurden diese mehrmals geändert und angepasst. Die letzten Anpassungen von Arbeitsabläufen, welche seit Jahrzehnten nicht geändert haben, erfolgte diesen Sommer.

So ist das Einleiten der Bremsung vor einem Warnung zeigenden Signal seit je her ein wichtiger Grundsatz beim Lokpersonal für eine sichere Zugführung und keine neue Erfindung, welche „regelmässig zu überprüfen und zu vereinfachen“ ist.

 

Mit einem Schreiben an die Lokfüher in einigen Filialen betreffs der Neulancierung der Gestes métier werden als alternative zum Selbststudium Zeitfenster angeboten, um die Prozesse persönlich mit dem Vorgesetzten CLP zu diskutieren/vertiefen. Im Anbetracht des grossen Überbestandes an Lokpersonal in bestimmten Regionen ist die Wahrnehmung dieses Angebotes zu empfehlen.

Sollten die 5 Seiten à 3-5 Punkten im Selbststudium erlernt werden, so ist dies mit einer Unterschrift unter die Zusage, dass die Gestes métier verstanden worden sind, zu quittieren.

 

Es ist ohne Frage nicht möglich, eine Sicherheitskultur anzuordnen, welche mit einer Unterschrift quittiert werden muss. Warum dies doch geschieht wirft Fragen auf, zumal die Gestes métier auch als Ziel die Förderung des Berufsstolzes definiert hatten, welche mit dem aktuellen Vorgehen wohl verfehlt wurde.

Wir hoffen dass die Sicherheit der Eisenbahn nicht davon abhängt, dass ein Lokomotivführer, welcher tagtäglich alleinverantwortich seine Arbeit korrekt ausführt, einen Zettel unterschreibt.

Ob diese Aktion in Zusammenhang von RailFit 2030 der Sicherung von Arbeitsleistungen dient oder der Aussortierung des Personals für die Belohnung von zusätzlich geleisteten Arbeitstagen für einen Teil des Lokpersonals gemäss Information vom 6. Juni, entzieht sich unserer Kenntnis.

 

Externes Gutachten von Jürg Schmid zu den Gestes métier

 

In der externen Untersuchung von Jürg Schmid, welche nach dem Eisenbahnunfall in Granges Marnand am 29. Juli 2013 von CEO Andreas Meyer in Auftrag gegeben wurde, wurde zu den Gestes Métier festgehalten:

„So einfach die Überprüfung bei Kontrollfahrten, so schwierig ist die Sicherstellung der Handhabung im Normalbetrieb. Störungen beim Abarbeiten der Checklisten (z.B. durch Telefonanrufe) können zu Fehlern führen. [...]

Empfehlungen: Die Einhaltung der Gestes métier im täglichen Gebrauch ist kaum überprüfbar. Die heutigen Gegebenheiten lassen eine weitere Optimierung dieser Checkliste nicht zu.“

 

Stellungnahme des VSLF vom Nov. 2013 zum Gutachten bezüglich Gestes métier:

„Aus Sicht VSLF sind die Gestes métier für die Schulung der Lokführer in Ausbildung ein sinnvolles und hilfreiches Mittel. [...]

Generell sollte Gestes métier im Interesse der Sicherheit wieder den ursprünglichen Charakter einer Hilfe für den strukturierten Ablauf erlangen. Stures Abarbeiten gemäss Liste mag eine Erleichterung sein für nicht fahrdiesttaugliche Personen, die Kontrollfahrten durchführen; dies hat aber im Zusammenhang mit der Sicherheit keine Relevanz.

 

VSLF Nr. 511, 30. Juli 2016 HG, RG



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