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ALE Vorstandssitzung in Warschau

Die Vorstandssitzung der Autonomen Lokomotivführergewerkschaften Europa ALE fand am 26. und 27. Mai in Warschau statt. Der geschäftsführende Vorstand, geleitet vom Präsidenten Juan Jesús Garcia Fraile (SEMAF Spanien) informierte über die Beschlüsse des CESI-Kongresses, welcher in Madrid stattfand. Weiter fand ein informelles Treffen mit dem Präsidenten und mit dem Generalsekretär der CESI statt. (CESI: Confédération Européene des Syndicats Indépendants/Europäische Union der Unabhängigen Gewerkschaften).

 

Die ALE Mitglieder in der Expertengruppe der EU-Kommission über die technische Säule des vierten Eisenbahnpakets in Brüssel informierten über die verabschiedeten Punkte. So wurde in der Gruppe ein Entwurf zur Neuregelung der gemeinsamen Sicherheitsmethoden vorgelegt, welcher aus neun Artikeln und drei Anhängen besteht und es wurde eine neue Tabelle über den Ausführungsakt bezüglich der Fahrzeugzulassungen diskutiert.

 

In diesem Regelwerk ist in den Artikeln 4 und 5 auch die Kontrolle der Lenk- und Ruhezeiten der Lokomotivführer berücksichtigt worden. Diese müssen eindeutig und genau festgelegt sein. Nicht zuletzt wurden auch Toiletten in Güterzuglokomotiven verlangt, dies angesichts der in den letzten Jahren stark zunehmenden Anzahl an Lokomotivführerinnen auf diesen Zügen.

 

 

Dänemark neues Mitglied in der ALE

 

Zum ersten Mal durften wir die neuen Kollegen von der dänischen Eisenbahnergewerkschaft DJF als vollwertige Mitglieder der ALE in unserem Kreise begrüssen.

 

Die DJF ist auch in der European Transport WorkersFederation (Europäische Transportarbeiter - Föderation ETF) organisiert. Dort ist der Präsident der DJF, Henrik Horup im Lenkungsausschuss der Eisenbahnsektion. Als Präsidenten des Lenkungsausschusses der Eisenbahnsektion wurde am 9. März 2017 Giorgio Tuti gewählt, der Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, dem wir zur Wahl gratuliert haben.

 

Die dänische Gewerkschaft ist bewusst der ALE beigetreten, weil sie der Überzeugung ist, dass die Eisenbahnsektionen der ETF wie auch die ALE zusammen mehr erreichen könnten und grundsätzlich ein Interesse von beiden Seiten besteht, die Eisenbahner und die Lokomotivführer stärker zu vertreten. Mit dem Beitritt der DJF in die ALE scheint Bewegung in die Europäische Eisenbahn-Gewerkschafts-Landschaft zu kommen.

 

 

Abmachung 50/50 zwischen Deutschland (GDL) und Dänemark (DJF)

 

Zum Schutz der Arbeitnehmer haben die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer GDL und die dänische Eisenbahnergewerkschaft Dansk Jernbaneforbund DJF am 30. August 2016 ein "50/50-Abkommen“ getroffen. Das Ziel ist, Lohn- und Sozialdumping zu unterbinden, da die Arbeitnehmer derzeit nur durch unterschiedliche nationale Gesamtarbeitsverträge geschützt sind und über die Landesgrenzen gegeneinander ausgespielt werden können.

 

Anfang 2014 schloss SBB Cargo International mit dem SEV, VSLF, transfair und KVöV eine solche Vereinbarung „Grenzüberschreitender Lokführereinsatz“ (50/50) ab, in welchem der grenzüberschreitende Einsatz in Richtung Italien und Deutschland regelt. Aktuell beklagen wir, dass der Ausgleich 50:50 nicht eingehalten wird und haben ein Schiedsgericht angerufen.

Im Gegensatz zur Schweiz haben die Kollegen der DJF in Dänemark die Möglichkeit, die Zulassung einer EVU zu verhindern. Die Durchsetzung solcher Abmachungen ist in der Schweiz ungleich schwieriger, aber sicher ein lohnendes Ziel.

 

 

Informationen aus den Mitgliedsländer

 

Bei der Griechischen Bahn kam es am 13. Mai zu einem Eisenbahnunglück mit mehreren verletzten Reisenden, bei dem ein Personenzug entgleiste und in ein Haus fuhr. Aus Geldmangel funktioniert bei dieser Linie die Stellwerk- und Blockeinrichtungen nicht mehr. Die Sicherheitseinrichtungen auf den Fahrzeugen waren ausser Betrieb und am Unfallort waren Langsamfahrsignale aus Spargründen nicht aufgestellt worden. Hierzulande werden Langsamfahrsignale aus Spargründen nur abgedreht und nach wie vor nicht überwacht.

 

In den Niederlanden wurde der Eisenbahn-Verkehrsunternehmung HSL Logistik im April 2017 mit sofortiger Wirkung die Sicherheitsbescheinigung durch die Aufsichtsbehörde ILT entzogen. Grund dafür war, dass mehrfach Lokomotivführer ohne Bremsprobe die Fahrt aufnahmen.

 

Die Kollegen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer GDL berichteten, dass auf Grund des neuen Schienenlärmschutzgesetzes die Züge mit lärmigen Wagen stellenweise Geschwindigkeitseinschränkungen erhalten. Die Lokomotivführer erhalten vor der Fahrt ein Geschwindigkeitsprofil mit den einschränkenden Geschwindigkeiten. Verstossen sie dagegen, kann ein Bussgeld von bis zu 1'000 Euro gegen die Lokführer verhängt werden. Ursprünglich waren bis zu 2'000 Euro angedacht.

 

In Polen wurde, um 85 km mit 200 km/h fahren zu können, viele Millionen Euro in das ETCS L2 System gepumpt. Geld für notwendige Erneuerungen fehlen somit andern Orten.

 

 

Überregulierungswut, liederliche Zulassungsvorgaben und falsch eingesetzte Mittel werfen die Eisenbahnen überall in Europa um Jahrzehnte zurück. Die aktuelle Diskussion über die zu erwartenden Kosten von 6,5 – 9,5 Mia. Fr. für den Ausbau des ETCS Level 2 in der Schweiz geht in dieselbe Richtung.

Profitieren wird die Strasse und die Luftfahrt.

 

 

 

Die ALE vertritt rund 65'000 Lokomotivführer in Europa aus folgenden Ländern: Italien, Rumänien, Tschechien, Slowakei, Deutschland, Ungarn, Serbien, Dänemark, Griechenland, Polen, Belgien, Spanien, Bulgarien, Portugal, Kroatien, Niederlande und der Schweiz.

 

 

 

VSLF Nr. 532, 29. Mai 2017 HG



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