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Pressemitteilung VSLF

 

Gerichtsverhandlung vor dem Obergericht des Kantons Bern vom 24. September 2013, 8:30 Uhr, Hochschulstrasse 17, Bern

 

Am Donnerstag, den 4. Juni 2009 kam es in Wimmis BE bei einem Zug der BLS AG zu einem Personenunfall. Bei der Zugsabfahrt wurde eine Frau beim Aussteigen eingeklemmt und einige Meter mitgeschleift. Die Frau erlitt verschiedene Verletzungen. Die Ausstiegs-Türe befand sich ausserhalb des Perronbereichs.

 

Laut Schlussbericht der Eidgenössischen Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe  SUST (ehemals UUS) ist der Unfall darauf zurückzuführen, dass:

 

-       die betreffende Türe sich nicht an der Perronkante befand,

-       die Türen des Zuges nicht verriegelt waren,

-       der Zug unbegleitet (ohne Zugbegleiter) verkehrte.

 

Ob der angeklagte Lokführer bei noch leuchtender Türkontrolllampe im Führerstand abgefahren ist oder ob die Türkontrolllampe namentlich infolge einer technischen Störung erloschen war, konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. Laut Aussage des Lokführers brannte die Türkontrolllampe bei der Abfahrt nicht mehr. Trotzdem wurde der Lokführer vom Berner Regionalgericht Oberland am 18. Mai 2012 erstinstanzlich wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Er zog das Urteil weiter.

 

 

Einschätzung des VSLF

 

Der Lokführer ist freizusprechen, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Türkontrolllampe aufgrund eines technischen Defekts oder durch Betätigung eines Knopfes im Türrahmen durch die verunfallte Frau erloschen ist.

 

Glaubwürdige Meldungen des BLS Lokpersonals belegen, dass es vorgekommen ist, dass die Türkontrolllampe auch bei offenen Türen erloschen ist und stellen das korrekte Funktionieren der Technik auf den Fahrzeugen RABe 535 „Lötschberger“ in Frage.

 

Das Betriebskonzept der BLS AG mit Zügen, welche für die im Simmental vorhandenen kurzen Perronanlagen zu lang sind, ist nach den Vorschriften untersagt. Eine Ausnahmebewilligung durch das BAV wurde nie erteilt. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern hat nie in dieser Richtung ermittelt.

 

Die zur Erhöhung der Sicherheit eingebaute Abfahrsperre bei offenen Türen wurde bei den Fahrzeugen vom Typ RABe 535 „Lötschberger“ ausgeschaltet, was nach unserer Auffassung den Ausführungsbestimmungen zur Eisenbahnverordnung (EBV) widerspricht. Diese Abfahrsperren sind bei S-Bahn und Inter-Regio Fahrzeugen bei der SBB AG seit Jahren Standard und verhindern solche Unfälle.

 

17.9.2013


Siehe: Argumentarium


Seihe: Wimmis Presse


Siehe: Gerichtsurteil

 


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Am 24. Sept. 2013, um 08.30 Uhr, findet am Obergericht des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17 in Bern, die zweitinstanzliche Gerichtsverhandlung statt.
 
Diese Gerichtsverhandlung ist öffentlich und alle Lokführer sind eingeladen daran teilzunehmen.